01.01.2014

wo im berg wo die nacht








Fraktal-Zoom
erforsche die Strukturen
der Menopause












Lärm meiner Sinne
die Dynamik tief in der Zeit




Schärenmeer ──
wieder und wieder malt er
seine Zerrissenheit




seidige Tage
hefte Wünsche
an den Wind














Winternacht – die Welt ein schwarzes Loch














der zug fährt durch viele tunnels  …
                  wo im berg wo die nacht






 






Weiße Winde
meißeln Landschaften
wilder Träume




Nekropolis
jenseits vom Horizont
wendet die Sonne














Dorf des Vergessens -
noch einmal erzählt er mir
vom Schnee



Eva Limbach










verschränkte Worte die Knoten zwischen den Perlen




Rotlicht die gekrümmte Masse 












Quantensprung
Plötzlich auf der Fensterbank
Schrödingers Katze 













VerSuch eines Zwischenfazits

von Ralf Bröker

In den ersten zwölf Ausgaben "VerSuch ... das projekt gendai" sind 94 deutschsprachige Texte erschienen, die bei uns eingereicht wurden und die wir als Gendai-Haiku einschätzen. Die Zahl der Einsendungen reichte von anfänglich rund 40 im Monat bis rund 100 Texte heute.

Zu Beginn lagen die Zugriffe auf den Blog bei rund 350 pro Monat. Heute zählen wir über 550. Die Gesamtzahl liegt jetzt über 5.800. D
ie Hälfte aller Zugriffe erfolgt in den ersten Tagen eines Monats.

Meist wird die Blog-Hauptseite direkt aufgerufen. Der beliebteste einzeln angeklickte Beitrag ist der Essay "Das Feuer bewahren" vom 1. November (222 Klicks). Es folgen:



Die meisten Zugriffe erfolgen aus Deutschland (über 4.100), USA (über 500) und den Niederlanden (132). Knapp dahinter liegen Österreich, Schweiz, Japan, dann Russland, Spanien, Italien und (mit 38) das Vereinigte Königreich.


Blogbesucher kamen meist über www.haiku.de zu VerSuch. Es folgen Google und www.haiku-heute.de, dann http://haiku-art-rl.blogspot.de, Facebook und www.artgerecht-und-ungebunden.de.
Die Hauptsuchworte, die via Google zu VerSuch geführt haben, waren folgende Verbindungen: "versuch haiku", "gendai versuch" und "gendai haiku".

Leserkommentare im Blog gab es jeweils einen von April bis Juli.
Kritische Auseinandersetzungen mit unserer Auswahl: Je einmal ging es mündlich beziehungsweise per Maildiskurs um die Frage, was denn Gendai eigentlich sei. In www.haiku.de wurde zu Beginn des Projekt kurz und intensiv über den Sinn einer weiteren Internetpräsenz in Sachen Haiku diskutiert.

Aus der Menge eingesandter Texte haben wir im November die meisten Haiku veröffentlicht (17) und im März die wenigsten (vier). Di
e selbst gewählte Höchstgrenze von zehn Texten wurde im September aufgehoben.

Es erschienen drei Essays (mit 20 internationalen Haiku-Beispielen) und je zweimal AusGesucht (ein Haiku, eine Haiku-Sequenz) und SelbstVerSuch (sieben Haiku).
In zwei Monatsauswahlen flossen schriftliche Editorenwertungen ein.

80 veröffentlichte Werke stammen von Frauen, 14 von Männern.
Ähnlich ist das Verhältnis bei den Einreichungen. Das Editorenduo ist männlich, die meisten ausgesuchten Gendai-Haiku aus dem nichtdeutschsprachigen Raum kommen von männlichen Autoren.

Und hier nun der VerSuch eines Zwischenfazits:


Die Idee, dass es ein deutschsprachiges Gendai-Haiku geben könnte, hat in unserem Blog immer wieder neue Formen angenommen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, viele der eingereichten Texte orientieren sich stark an den Themen bisheriger Veröffentlichungen. Dann war es wieder das Gefühl, es würden sich bestimmte Sprach- und Stilmuster wiederholen. Doch jedes Mal aufs Neue finden sich unter den sehr vielen guten Texten nicht nur interessante Haiku, sondern auch überraschende, mutige, ja, vor allem mir neue Ansätze und Bilder. Und sie tauchten in den vergangenen Monaten häufiger auf als zu Anfang.


Was will ich mehr?


Vielleicht, dass die Zahl der Einreicher größer wird? Ja, ich vermisse so manchen bekannten Namen, wenn sich Monat für Monat mein Maileingang mit VerSuchen füllt. Ich frage mich dann, warum das so ist ... um dann doch wieder loszulassen, nicht nachzuhaken, nicht zu werben. VerSuch darf langsam wachsen, hat heute schon viel Aufmerksamkeit und Unterstützung.


Hier gilt der besondere Dank den fleißigen Menschen in www.haiku.de, die die Sammlung "Neun Links" pflegen, sowie den Notizen von Volker Friebel in www.haiku-heute.de. Natürlich freuen wir uns auch über jeden Haiku-Autoren, der seine Veröffentlichung in VerSuch mit einem Verweis auf das Projekt Gendai versieht.


Auf Dauer kann ich mir gut vorstellen, das aus diesem Blog einmal ein E-Book oder gedrucktes Buch entsteht, versehen mit vielen Gendai-Haiku und -Gedanken, mit nützlichen Essays, vielleicht auch Portraits oder kontroversen Ansichten.


Ebenfalls sehe ich die große Nähe des deutschsprachigen Gendai-Haiku, wie wir es verstehen, zur modernen Kurzlyrik und freue mich über jede spannende Grenzüberschreitung. Ob nun gewollt oder aus Versehen.


VerSuch ist für mich ein monatlicher Beleg, wie viel Gedicht, wie viel Kunst, wie viel Herzblut im Haiku deutscher Sprache sein kann. Und es ist hoffentlich ein progressiver Beitrag dazu, dass auf die Frage, was ein Haiku sei, die Antwort einer Deutschlehrerin, eines VHS-Kursleiters und der Literaturkritik irgendwann einmal ganz selbstverständlich in etwa so ausfallen möge:


"... ein sehr kurzes Gedicht, ursprünglich aus Japan, heute weltweit verbreitet. Sehr konkret mit zwei starken Bildern oder Ebenen; eher zeigend und auf das Erleben im Leser ausgerichtet. Mal voller Geheimnis, mal voll von Humor - im besten Fall beides. Immer um das Traditionelle wissend und doch stets das Neue suchend. Für manchen Fingerübung, für manchen Achtsamkeitstraining. Und für die größten unter den Haijin zwei- oder dreimal im Leben: ein sehr kurzes Gedicht aus eigener Feder." 


Ihnen, euch und uns ein gutes neues Jahr.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen